26. Juli 2023 Anja Zschäck

Green IT

Unsere moderne Welt kommt nicht gut ohne die Verwendung von IT aus. Im Gegenteil: die Verwendung von IT-Systemen und die fortschreitende Digitalisierung führt zu immer mehr Bedarf in allen Lebensbereichen. Das Meeting im Büro wird selbstverständlich Online oder hybrid abgehalten und ermöglicht nicht nur einen vorausschauenden Umgang etwa mit der nächsten Grippewelle, sondern auch eine dezentrale, flexiblere Arbeitsweise. Im Rahmen der Industrie 4.0 werden sowohl in der Medizin, als auch in der Produktion immer mehr Geräte smart und vernetzt. Diese kommunizieren miteinander und schaffen neue Möglichkeiten: Preventative Maintenance lässt Fehler in der Industrie minimieren, intelligente Clinical Wearables in der Medizintechnik ermöglichen das Sammeln und Auswerten von Patientendaten in Echtzeit und eine bessere Überprüfung des Gesundheitszustandes des Patienten durch den Arzt. Dynamische Heiz- und Ladekonzepte im Eigenheim oder Smart Farming in der Landwirtschaft sind weitere Beispiele dafür, wie eine solche Vernetzung auch eine bessere Nutzung von Ressourcen zur Folge haben können. Hier hilft Digitalisierung also Energie- und Rohstoffe einzusparen. Gleichzeitig verbraucht mehr Informations- und Kommunikationstechnologie (ITK) auch mehr Strom. Green IT kann diesen Widerspruch abmildern.

Was ist Green IT?

Unter Green IT versteht man die umweltverträgliche Computernutzung, die die negativen Auswirkungen des Betriebs von IT-Anlagen minimiert. Green IT gibt vor, Produkte der Kommunikationstechnologie so zu produzieren und zu nutzen, dass sie die Umwelt möglichst nicht belasten. Entsprechende Maßnahmen können zu jedem Lebenszyklus eines Produktes greifen: von ihrer Herstellung bis zur Entsorgung. Die Idee ist nicht neu: im Jahr 1992 rief die Umweltschutzbehörde der Vereinigten Staaten von Amerika – U.S. Environmental Protection Agency (EPA) – das Umweltsiegel Energy Star ins Leben. Im RZ-Bereich sind die Verwendung von Strom aus erneuerbaren Energien und der Bau von möglichst energieeffizienten Rechenzentren mit geringem Energiebedarf Kernbestandteil der Green IT. Die Verwendung von klimafreundlichen Kältemitteln, Abwärmenutzung und das zur Nutze machen von Konzepten wie adiabatischer Kühlung können hier einen Beitrag leisten.

Vorteile von Green IT

Green IT hat Vorteile. Durch das Erreichen der Ziele der Green IT, der Verringerung des Ressourcen- und Energieverbrauchs bei der Hardware-Herstellung, der Sicherstellung von sozialen und fairen Arbeitsbedingungen in der Produktion, der ressourcenschonenden Entwicklung von Software und der Herstellung möglichst langlebiger Hardware lässt sich auch Geld sparen.

Die günstigste Kilowattstunde ist die, die man nicht verbraucht. Das Setzen auf langlebige, reparierbare Hardware kann die Kosten über die Lebensdauer der Hardware enorm senken. Wenn sinnvoll kann man schon bei der Anschaffung gebrauchter, runderneuerter Hardware – beispielsweise im Büro – in Betracht ziehen. Auch dadurch lässt sich Geld sparen. Die Bestandsaufnahme im Rahmen der Green IT kann außerdem Kostenfresser identifizieren, die gar nicht mehr benötigt werden. Manchmal ist weniger mehr. Durch intelligente Nutzung von Virtuellen Maschinen wird der ein oder andere alte, energiehungrige Server überflüssig und die eigene IT wird im on-premise Rechenzentrum zentralisiert.

Maßnahmen der Green IT

So alt der Begriff Green IT ist, so schwammig ist er auch. Dementsprechend lassen sich viele Maßnahmen zur Green IT zählen:

Home Office und Mobilitätskonzept

Mobiles Arbeiten kann überflüssige Wege ins Büro vermeiden. Das kommt auch der CO2-Bilanz zur Gute. Wenn es zum Büro oder zum Kunden geht, kann ein modernes Mobiltätskonzept mit Elektromobilität und einer intelligenten Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln die Bilanz verbessern.

Optimierung der Büroarbeit

Laufen Endgeräte im Büro tatsächlich nur dann, wenn sie gebraucht werden? Hier lassen sich oft noch Verbesserungen vornehmen. Den PC nach der Benutzung abzuschalten und den Ausschaltvorgang automatisieren oder ganz klassisch Zeitschaltuhren verwenden. Auch Stand-by Geräte müssen nicht mehrere Stunden an sein. Hier macht eine genaue Strategie viel Sinn. Auch die Strategie des papierlosen Büros kann bei richtiger Planung Ressourcen sparen. Drucker sind weniger fehleranfällig, Toner und Tinte kann gespart werden und auch Papier wird einfach nicht im selben Maße gebraucht.

Virtualisierung & Konsolidierung

Oft werden IT-Ressourcen in Büros unnötig stark vorgehalten. Ein eigenes RZ mit Virtuellen Maschinen (VMs) kann dafür sorgen, dass weniger stromfressende Geräte eingesetzt werden. Statt vollwertige Rechner reichen für viele Anwendungen dann Thin-Clients die auf die jeweilige VM zugreifen. Das Zentralisieren und Virtualisieren und die Konsolidierung im Rahmen einer modernen IT-Infrastruktur hilft zudem auch Kosten zu senken.

Kauf von runderneuter Hardware & Recycling

Der Kauf von runderneuerter Hardware statt Neuware kann oft für die Klimabilanz positiv sein. Am Ende der Lebenszeit sollte auf ein gutes Recycling geachtet werden.

Umweltfreundliches Rechenzentrum

Das eigene RZ sollte möglichst energieeffizient umgesetzt werden. Das bedeutet das effiziente Hardware verwendet wird, sondern auch ein intelligentes Energiemanagement eingeführt werden sollte. Das ist in vielen Unternehmen ohnehin für diverse Zertifizierungen vorgesehen. Wenn man es richtig macht, kann man also mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen. Ökostrom ist sowieso sinnvoll. Aber Achtung: Nur die bilanzielle Nutzung von Ökostrom alleine sollte nicht das Ziel sein. Vielleicht lässt sich hier auch durch eine eigene PV-Anlage auf dem RZ-Gebäude oder auf einer nahegelenden Freifläche ein Beitrag zur Energiewende leisten.

Zukunft von Green IT

Die Green IT wird im Rahmen der Bekämpfung der Klimakrise immer drängender. Die Deutsche Energie-Agentur (DENA) geht in diesem Bereich von einem Energieeinsparpotenzial von bis zu 75 Prozent aus. Green IT darf nicht nur ein nettes Buzzword in einer Greenwashingkampagne sein.

Nachhaltigkeitsberichte sind bei großen und wichtigen Unternehmen schon Standard und werden ab 2023 auch nach der EU-Richtlinie zur Unternehmens-Nachhaltigkeitsberichterstattung für viele Unternehmen zur Pflicht. Aber auch das in vielerlei Hinsicht die Jahre gekommene geflügelte Wort in der PR ist immer noch relevant: Tu Gutes und rede darüber. Wenn Unternehmen auf echten, ambitionierten Fortschritt in ihren Nachhaltigkeitsbemühungen verweisen können, hilft das bei der Verbesserung des Unternehmensimages in der Gesellschaft, bei der Mitarbeiterzufriedenheit und bei der Rekrutierung junger, talentierter Mitarbeiter.

Fazit

Green IT bietet die Möglichkeit Einsparpotentiale zu heben, hilft bei der Umsetzung der Nachhaltigkeitsbemühungen von Unternehmen und verringert den ökologischen Fußabdruck. Sie kann einen Beitrag zu einem guten Bild des Unternehmens in der Öffentlichkeit beitragen, was viele Vorteile mit sich bringt. Zukünftig wird es ohnehin immer wahrscheinlicher das Erfolge im Bereich der Nachhaltigkeit vom Gesetzgeber verlangt werden – wenn nicht die eigenen Mitarbeiter, die Kunden oder der Wettkampf um Talente diesem zuvorkommen. Es ist also ratsam für Unternehmen, die am Markt bestehen wollen, das Thema schnellstmöglich ambitioniert zu verfolgen.