14. Juni 2023 Anja Zschäck

BSI und seine Verfügbarkeitsklassen

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) mit Sitz in Bonn befasst sich mit der IT-Sicherheit der deutschen Informationsgesellschaft. Es wurde 1991 durch ein entsprechendes Gesetz gegründet. Das BSI soll den sicheren Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnik (IK) ermöglichen. Das BSI gehört zum Geschäftsbereich des Bundesministeriums des Innern (BMI).  

Aufgaben des BSI 

Die Aufgaben des BSI sind vielseitig: Nicht nur muss das BSI das Netz des Bundes schützen, sondern es erarbeitet darüber hinaus auch praxisorientierte Standards für die öffentliche Verwaltung in Bund, Ländern und Kommunen; Wissenschafts- und Forschungseinrichtungen; für Unternehmen und für Privatanwender. Eben für alle, die IK in einer modernen Welt verwenden. Das BSI ist auch für die Information und Sensibilisierung im Bereich IT- und Cybersicherheit verantwortlich. Die Behörde fungiert in diesem Zusammenhang als digitaler Verbraucherschutz. 

Natürlich erarbeitet es nicht nur Standards und gibt Empfehlungen heraus, sondern ist auch Zertifizierungsstelle für Software, andere IT-Produkte und Dienstleistungen. Es stellt eine Art nationale Cybersicherheitsbehörde da, obwohl es rein rechtlich gesehen lediglich die Cybersicherheitsbehörde des Bundes ist.  

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik ist auch für die kritischen Infrastrukturen (KRITIS) zuständig. 2015 wurden Aufgaben und Befugnisse des BSI dahingehend ausgeweitet. 

Seitdem ist das BSI auch die zentrale Meldestelle für die IT-Sicherheit kritischer Infrastrukturen. Beim BSI müssen Betreiber also erhebliche Störungen ihrer IT melden. Es kann außerdem die Beseitigung von entdeckten Mängeln fordern. Die Behörde hat darüberhinaus eine tragende Rolle im Umsetzungsplan Kritische Infrastrukturen (UP KRITIS), einer öffentlich-privaten Kooperation zwischen Betreibern Kritischer Infrastrukturen, deren Verbänden und den zuständigen staatlichen Stellen, mit dem Ziel die Widerstandsfähigkeit zu erhöhen und auf einem hohen, der Bedeutung angemessenen Niveau zu stabilisieren.  

Das BSI und Rechenzentren 

Auch für die Branche ist das BSI logischerweise wichtig. Es gibt nicht nur Handlungsempfehlungen raus, sondern definiert in vielen Fällen schon grundlegende Kriterien für Rechenzentren – oder sogar was ein Rechenzentrum ist. Neben beispielsweise Kriterien für die Standortwahl von Rechenzentren, schafft es auch Klarheit über Anforderungen, wie beispielsweise für Hochverfügbarkeit bei Rechenzentren. Im Bereich der Rechenzentren ist das BSI natürlich auch in Zertifizierungsprozessen etwa nach dem IT-Grundschutz oder der ISO-27001-Norm wichtig. Im IT-Grundschutz definiert das BSI eine systematische und ständig weiterentwickelte Methodik, wie IT-Systeme sicher betrieben werden können. Auch für das BSI-Zertifikat Twin Data Center gilt es neben den Anforderungen für das ISMS (Informations Sicherheits Management System), auch Anforderungen an die IT-Infrastruktur zu erfüllen.   

Verfügbarkeitsklassen für Rechenzentren nach dem BSI

Das BSI ist Urheber einer Klassifizierung für die Verfügbarkeit von Rechenzentren.

Das BSI-System basiert auf dem bekannten 9er System, bei dem die Klasse der Verfügbarkeit der Anzahl der Neunen in der prozentualen Angabe der Verfügbarkeit entspricht. Anders als im klassischen 9er System allerdings beginnt die Klassifizierung des BSI mit Klasse 0. Klasse 0 zeigt an, dass keine festgelegte Verfügbarkeit garantiert wird. Durch diese Verschiebung stimmt die Klasse nicht mehr 1-zu-1 mit der Anzahl der Neunen überein. Der Name hat sich jedoch gehalten. Klasse 1 hat eine Verfügbarkeit von 99 Prozent. Die höchste Klasse des BSI-System ist die fünfte Klasse: Hier ist keine Ausfallzeit akzeptabel.

 

Verfügbarkeitsklassen (VK) nach BSI
Verfügbarkeitsklasse (VK) garantierte Verfügbarkeit Max. Ausfallzeit pro Jahr
0 Keine Unlimitiert
1 99,0% bis zu 3 Tage 15 Stunden 40 Minuten
2 99,9% bis zu 8 Stunden 46 Minuten
3 99,99% bis zu 53 Minuten
4 99,999% bis zu 6 Minuten
5 katastrophensicher Keine
Angaben bei 24/7 Betrieb

 

Das BSI-System erfreut sich auch in der Privatwirtschaft großer Beliebtheit, obwohl es hier nicht bindend ist. Gedacht war es als Mindeststandard für die Rechenzentren des Bundes.

 

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