Für die Bewertung und kontinuierliche Verbesserung von Rechenzentren gibt es Kennzahlen. Neben der Kennzahl für die Energieeffizienz PUE, der Kennzahl für den Verbrauch von Wasser WUE und verschiedensten Arten der Bewertung von Verfügbarkeit und Wirtschaftlichkeit ist am Ende wohlmöglich eines am entscheidendsten: was hat das Rechenzentrum in Gänze für einen Einfluss auf die Umwelt?
Total Cost to the Enviroment (TCE) ist eine Betrachtung des gesamten Impacts eines Unternehmens, und damit auch des Rechenzentrums, auf die Umwelt.
Rechenzentren verursachen Umweltschäden vor allem in drei Bereichen:
- Elektrische Energie für die Kühlung und den Betrieb der IT
- Wasserverbrauch für die Kühlung und im weiteren Sinne für die Bereitstellung von Energie
- CO2-Emissionen bei der Herstellung der IT-Systeme (Server, USVs, Switche usw.)
Natürlich ließe sich diese Auflistung noch beliebig weiterführen und kleinschrittig darstellen.
Nicht Eingepreistes wird sichtbar
Ähnlich der nicht nur BWLern bekannten Kennzahl Total Cost of Ownership (TCO), die nicht nur die Kosten des ursprünglichen Kaufs, sondern auch die Gesamtkosten des Produkts oder Services über den kompletten Nutzungszeitraum hinweg, bewertet, betrachtet man mit der TCE also die gesamten „Kosten des Rechenzentrums für die Umwelt“.
Die Betrachtung von Rechenzentren im Hinblick auf Total Cost to the Enviroment (TCE) wurde nach eigenen Angaben von Super Micro Computer, kurz Supermicro, einem Hersteller von Computern für Rechenzentren, eingeführt und 2018 auf der Global Climate Action Summit (GCAS) – Step Up Tech Declaration vorgestellt. TCE stellt einen Versuch dar, die Umweltkosten, die der Allgemeinheit entstehen, welche aber nicht bspw. in den Kosten des Produkts oder der internen TCO-Berechnung sichtbar werden, sog. nicht eingepreiste Externalitäten (engl. Unpriced Externalities), aufzuzeigen und mit einzubeziehen.
Theoretisch beschränkt sich die Metrik hierbei nicht nur auf den Kohlenstoffausstoß (Treibhausgase in CO2-Äquvivalent), sondern auch auf die Kosten anderer Umweltschäden.
Ähnliche Metriken vorhanden
Neben der Total Cost to the Enviroment (TCE) gibt es andere Metriken, mit denen ähnliche Ziele verfolgt werden. Zu nennen wäre hier die Schlüsselkennzahl Total Cost and Environmental Impact of Ownership (TCEIO), mit der im Bereich von Fertigungsverfahren ökonomische und ökologische Betrachtung vereint werden soll. Im RZ-Bereich gibt es mit einer Kennzahl, welche die gleiche Abkürzung hat, eine Schlüsselkennzahl für die CO2-Effizienz des Technikeinsatzes: Technology Carbon Efficiency (TCE). Vor allem sind im Zusammenhang mit Rechenzentren noch die Metriken für Energieeffizienz im Bezug auf Wasserverbrauch, CO2-Bilanz und Energieeffizienz WUE, CUE und PUE in ihren verschieden genauen Spielarten zu nennen.
Möglichkeiten durch die Total Cost to the Enviroment (TCE) Betrachtung
Bei der Beschaffung von neuen Servern ließe sich die Total Cost to the Enviroment für beide Bewerber berechnen und vergleichen. Dies würde zu einer ressourcenschonenderen Entscheidung führen. Falls die CO2-Bepreisung weiter steigt, so kann sich dies natürlich nicht zuletzt finanziell noch positiver niederschlagen.
Fazit
Ähnlich wie für Bemühungen in anderen Bereichen der Wirtschaft, gibt es auch bei Datacentern hierfür Kennzahlen. Diese unterscheiden sich im Hinblick auf ihre Berechnung, die Genauigkeit der Erhebung ihrer Parameter und der Art des Verbrauchs, der beleuchtet werden soll. Alle haben allerdings eins gemein: Sie sollen helfen einen Überblick über den Ist-Zustand der Nachhaltigkeitsbemühungen in einem Rechenzentrum zu erlangen. Basierend auf ihnen, startet der RZ-Betreiber mit der Hebung von Verbesserungspotenzialen. Das Wissen über Umweltbelastungen entlang der Wertschöpfungskette ist für die Verbesserung der Ökobilanz langfristig essenziell. Es wird aufgrund von gesetzlichen Vorgaben und Kundenwünschen in Zukunft unausweichlich. TCE bietet eine Möglichkeit einer ganzheitlichen Betrachtung der Kosten für die Umwelt, die durch ein Datacenter entstehen. Die Metrik TCE ist eine mögliche Basis für wichtige Entscheidungen zwischen Zulieferern. Sie dient als ein Indikator für nachhaltige Prozesse.